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Zukunftsfähige Organisationsstrukturen in einer Stadtbibliothek

Ausgangslage und Auftrag itstime

Hier ist die Welt zu Gast – so lautet der Slogan unserer Kundin, einer städtischen Bibliothek, die sich über viele Jahre den Ruf als innovative Begegnungsstätte erarbeitet hat. Immer wieder hat die Bibliothek bewiesen, den vielen Erwartungen auf kreative Art und Weise gerecht zu werden. Nun war es an der Zeit, die gewachsenen Organisationsstrukturen der aktuellen Umfeld-Realität anzupassen.

Diese Strukturen haben lange Zeit zuverlässig funktioniert. Mit zunehmenden Erwartungen aus Politik, Stadtgesellschaft und unterschiedlichen Nutzergruppen geriet sie jedoch unter Druck. Die Geschäftsführung beobachtete, dass es innerhalb der Organisation vermehrt zu Spannungen kam: Konflikte und Spannungen unter Mitarbeitenden nahmen zu, zentrale Themen blieben liegen, und wichtige Aufgaben wurden nicht mehr bearbeitet.

Beauftragt wurde itstime mit dem Ziel, die Organisation in ihrer Weiterentwicklung so zu unterstützen, dass sie ihre internen Spannungen bearbeiten und ihre Leistungen klar an den relevanten Kundengruppen ausrichten kann.

Zentrale Spannungsfelder

Im Kern zeigte sich ein ungelöster Strukturkonflikt. Die historisch gewachsene Arbeitsteilung entlang von Zielgruppen geriet zunehmend in Konkurrenz um Aufmerksamkeit, Ressourcen und Personal. Projektanfragen führten regelmäßig zu Überschneidungen im Personaleinsatz, ohne dass klar war, nach welchen Kriterien priorisiert werden sollte.

Diese ungeklärten Fragen führten dazu, dass Priorisierungskonflikte unentschieden blieben, und sich zunehmend in den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden verlagert haben. Konflikte, Emotionalisierung und Statuskämpfe zwischen den Bereichen waren die Folge.

Unser Vorgehen

Ausgangspunkt der Beratung war eine Klärung der relevanten Ziel- und Kundengruppen der Bibliothek. Gemeinsam mit der Geschäftsführung wurde herausgearbeitet, welche Leistungen für welche Zielgruppen zentral zur Wertschöpfung beitragen und wo die bestehende Struktur diese Logik nicht mehr abbildet. Eine fundierte Analyse machte diese unzureichend bearbeiteten Spannungen sichtbar. Dabei bestätigte sich die Hypothese, dass die bestehende Arbeitsteilung den aktuellen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde.

Eine zentrale Entscheidung im Beratungsprozess war, zunächst die Leitungsebene unterhalb der Geschäftsführung zu stärken und für den anstehenden Prozess zu formieren. Erst nachdem dieses Leitungsteam ein gemeinsames Selbstverständnis entwickelt hatte, konnte ein Beratungsprozess aufgesetzt werden und über weiterführende Strukturveränderungen nachgedacht werden.

Auf dieser Grundlage entstanden verschiedene Szenarien zur zukünftigen Organisationsstruktur – jeweils mit der Frage, wie die interne Arbeitsteilung die Leistungen für die zentralen Kundengruppen bestmöglich unterstützt, Welche Folgen unterschiedliche Strukturentscheidungen für Zusammenarbeit, Ressourcen und Aufgaben haben und welche Spannungen dabei bewusst in Kauf genommen werden müssen.

Ergebnisse

Die Organisation wurde entlang ihrer zentralen Wertschöpfungslogiken neu zugeschnitten. Aufgabenbereiche wurden klarer voneinander abgegrenzt und gleichzeitig dort miteinander gekoppelt, wo dies für die Leistungserbringung gegenüber den relevanten Kundengruppen erforderlich war.

Zugleich wurden bestimmte Spannungsfelder bewusst erhalten. Die gemeinsame Organisation von Projekten sowie der gemeinsame Infodienst bleiben organisationsübergreifende Aufgaben. Hierfür wurde ein angepasstes Verteilungssystem entwickelt, das diese gemeinsame Verantwortung sichtbar und steuerbar macht.

Priorisierungsfragen konnten nun explizit entschieden werden. Konflikte wurden zunehmend dort verarbeitet, wo sie auch entscheiden werden konnten und damit nicht mehr primär zwischen Mitarbeitenden ausgetragen. Die Organisation gewann an Klarheit darüber, welche Leistungen für welche Zielgruppen im Zentrum stehen und wie diese im Alltag verlässlich erbracht werden können.

Learnings und theoretische Einordnung

Der Fall zeigt exemplarisch, dass organisationale Konflikte häufig nicht aus mangelnder Kooperationsbereitschaft entstehen, sondern aus überholten Strukturen. Wenn sich Umweltanforderungen verändern, ohne dass die Organisation mitwächst, verlagern sich Zielkonflikte in den Alltag der Mitarbeitenden. Der Fall zeigt, dass Reorganisation dann wirksam wird, wenn sie nicht von formalen Strukturen oder vordefinierten Rollenbildern ausgeht, sondern von der Frage, wie Organisationen Wert für ihre relevanten Umwelten erzeugen.

Reorganisation bedeutet in solchen Fällen nicht Harmonisierung, sondern die Herstellung von Entscheidungsfähigkeit. Entscheidend ist, wo widersprüchliche Erwartungen verhandelt werden, wer Prioritäten setzt und welche Spannungen bewusst gehalten werden müssen, um den Auftrag der Organisation zu erfüllen.