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Verständnis für Verwaltung in Veränderung

Veränderung findet statt, ob wir das wollen oder nicht. Eher erstaunlich erscheint daher aus der Perspektive der soziologischen Systemtheorie, wenn es Systemen – wie Organisationen oder auch Personen – gelingt, sich augenscheinlich nicht zu verändern. Der Aufwand dafür ist, je nach Situation und Kontext, nicht zu unterschätzen. Der Preis, für Organisation wie Mitarbeiter:innen mitunter hoch. Doch gerade, wenn wir über Verwaltungen und ihre Modernisierung sprechen, erscheint häufig das Bild einer unpersönlichen Formation starrer Verhaltensweisen. Max Weber grüßt. Wie passt das zusammen?

Verwaltungen sind langsame Organisationen, sehr zum Leidwesen der an Service und Kundennähe interessierten Bürger:Innen und auch der Politik, die sich an der Beschleunigung und Agilisierung messen lassen möchte. Verwaltungen sind langsam, weil sie die Funktion haben, alle gleich zu behandeln und dabei doch nicht-algorithmisierte Entscheidungen zu treffen. Was ist damit gemeint? Ganz gleich, welche Menschen sich vor der Verwaltung zeigen, es ist der ausdrückliche Wunsch, dass sie gleichbehandelt werden – also, dass nicht aufgrund ihrer Status, des persönlichen Vermögens oder privater Verbindungen, Entscheidungen in ihren Interessen formatiert werden. Dazu benötigt es Distanz – auch deshalb wird nach wie vor geschrieben in Verwaltungen (mit Schreiben entsteht Distanz und Distanzvermögen, erst so entsteht eine Differenz, da dass, was vorliegt nicht das Geschriebene ist, auch wenn das Geschriebene nur dem Vorliegenden folgt). Gleichzeitig sind die Entscheidungen jedoch bindend, so dass Entscheidungsträger:innen verantwortlich sind und die Verantwortung gewagt, im Zweifel abgewogen werden muss.

So entsteht ein Zögern, eine Lücke, ein Moment – zwischen bearbeitetem Fall und der Entscheidung, eine Kluft, die weiterführt. Mit jeder Entscheidung entsteht eine Asymmetrie zwischen möglichen Ergebnissen. Es entsteht eine Richtung, die ein “weiter” ergibt. Das Zögern, früher ausgedrückt durch ein Verweilen vor der Unterschrift, durch ein Zaudern bei der Finalisierung, ist kein Ausdruck von Individualisierung. Es ist die Form, in der Verwaltung angemessen entscheidet. Auch wenn es nervt.

Von

Caspar-Fridolin Lorenz

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